Otto Mueller wurde 1874 in Liebau, Schlesien (heute Lubawka, Polen), geboren und zählt zu den bedeutenden Vertretern des deutschen Expressionismus. Als Mitglied der Künstlergemeinschaft Brücke entwickelte er eine unverwechselbare Bildsprache, die sich durch ihre lyrische Ruhe, harmonische Farbigkeit und enge Verbindung von Mensch und Natur auszeichnet.
Nach seinem Studium an den Kunstakademien in Dresden und München wandte sich Mueller früh einer vereinfachten, expressiven Formensprache zu. 1910 trat er der Künstlergruppe Brücke bei, deren Mitglieder zu den wichtigsten Wegbereitern der modernen Kunst in Deutschland gehörten. Im Gegensatz zu vielen seiner Künstlerkollegen bevorzugte Mueller eine zurückhaltende Farbpalette und eine stille, poetische Atmosphäre.
Zu seinen bevorzugten Motiven zählen Akte in der Landschaft, Porträts, Zigeunerfamilien sowie Darstellungen von Mutter und Kind. Seine Werke verbinden eine flächige Komposition mit weichen Konturen und einer natürlichen Harmonie zwischen Figur und Landschaft. Besonders charakteristisch ist seine Verwendung der Temperatechnik sowie sein Interesse an der Lithografie.
Neben der Malerei schuf Otto Mueller ein bedeutendes grafisches Werk mit Lithografien, Zeichnungen und Arbeiten auf Papier. Seine Druckgrafiken zählen zu den herausragenden Leistungen des deutschen Expressionismus.
Otto Mueller lehrte ab 1919 an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau und prägte dort eine neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern. Seine Werke befinden sich heute in bedeutenden Museen und Sammlungen weltweit.
